Folgenschwere Kratzer
16. Mai 2010 • Rubrik Krankheiten
Der Erreger der “Katzenkratzkrankheit” kann beim Menschen möglicherweise auch auf den ungeborenen Nachwuchs übergehen. Entsprechende Hinweise haben amerikanische Forscher bei einer Familie gefunden. Nicht nur bei den Eltern, auch bei den beiden Kindern konnten sie Bakterien der Gattung Bartonella nachweisen.
Bartonella henselae (dunkle Körnchen) in Herzklappengewebe eines Patienten, in dessen Blut keine Bakterien nachweisbar waren. Foto: Warthin Starry, Emerging Infectious Diseases 2002:8(2)
Der Sohn des Paares sei von Geburt an chronisch krank, erklärt Edward Breitschwerdt von der North Carolina State University. Seine Schwester sei dagegen im Alter von wenigen Tagen an einem Herzfehler gestorben. Auch in ihrem Gewebe habe sich die DNA der Bakterien nachweisen lassen. Daher müsse man von einer Übertragung vor oder während der Geburt ausgehen.
Bartonellen werden von Flöhen und vermutlich auch von Zecken auf Katzen und Hunde übertragen. Durch Kratzer oder Bisse können sie wiederum auf den Menschen übergehen und Krankheitssymptome hervorrufen. Im Falle der “Katzenkratzkrankheit” entwickeln sich Hautpapeln, Fieber und Lymphknotenschwellungen, die meist binnen Wochen wieder verschwinden. Vor allem bei abwehrgeschwächten Personen können innere Organe, die Blutgefäße und das Zentralnervensystem in Mitleidenschaft gezogen werden.
Breitschwerdt und Kollegen berichten nun über Ehepartner, die seit mehr als einem Jahrzehnt an Symptomen wie Kopfschmerzen und Gedächtnisproblemen leiden. In Blut und Gewebeproben beider Partner konnten sie Bartonella henselae, den Erreger der Katzenkratzkrankheit, sowie die bei Hunden vorkommende Bartonella vinsonii nachweisen. Weitere Tests ergaben, dass der zehnjährige Sohn des Paares die Bakterien ebenfalls in sich trägt und dass auch seine im Alter von neun Tagen gestorbene Zwillingsschwester infiziert war.
Der Fall der Familie belege, dass Bartonellen selbst bei Menschen mit intaktem Immunsystem chronische Infektionen hervorrufen könnten, so Breitschwerdt. “Zudem weisen die neuen Ergebnisse auf ein Potenzial zur Übertragung durch die Plazenta hin und lassen es denkbar erscheinen, dass eine Infektion der Mutter zu Fehlbildungen beim Nachwuchs führen kann.”
Forschung: Edward B. Breitschwerdt und Patricia E. Mascarelli, Center for Comparative Medicine and Translational Research, College of Veterinary Medicine, North Carolina State University, Raleigh; und andere; veröffentlicht im “Journal of Clinical Microbiology”, DOI 10.1128/JCM.00326-10
Text mit freundlicher Genehmigung von Scienceticker.info


