Zucht soll Iberischen Luchs retten
14. Mrz 2008 • Rubrik Wildkatzen
Der Iberische Luchs (Pardelluchs, Lynx pardinus) könnte die erste Wildkatzenart nach dem Säbelzahntiger sein, die von der Erde verschwindet. Vor rund hundert Jahren bewohnten 100.000 Tiere die Iberische Halbinsel. Heute sind es nur noch etwa 150 Exemplare. Ein internationales Zuchtprogramm soll die Wildkatzen vor dem Aussterben retten.
Schuld am Verschwinden des Iberischen Luchses ist zum einen die Zerstörung seines Lebensraums, zum anderen ging die Hauptnahrungsquelle der Luchse stark zurück.
Die Luchse fressen gern Kaninchen. Doch deren Bestand wurde in den letzten 50er Jahren durch einen Myxomatose-Ausbruch und in den 90ern durch die eingeschleppte Virus-Erkrankung RHD (Rabbit Haemorrhaging Disease) drastisch reduziert. Verwilderte Hauskatzen übertrugen zudem die Katzenkrankheit FLV auf die Luchse. Im Frühjahr 2007 fielen so alle erwachsenen Luchsmännchen im südspanischen Doñana Nationalpark der Krankheit zum Opfer.
Biologen und Tierschützer hoffen jetzt auf das internationale Zuchtprogramm “Iberian lynx ex-situ conservation program”. Dessen Ziel ist es, den frei lebenden Bestand durch eine so genannte Ex-situ-Zucht zu vergrößern. Dabei werden jährlich vier Jungtiere aus der Wildnis gefangen, um sie gezielt zur Zucht einzusetzen. Das bringt allerdings gleich mehrere Schwierigkeiten mit sich: Teils vermehren sich die Tiere nicht, weil sie möglicherweise gestresst sind, teils töten und fressen die Luchse ihre eigenen Jungtiere, teils töten sich die Kleinen gegenseitig.
Essenziell für die Zucht ist die Untersuchung der Tiere auf Trächtigkeit. So wollen die Forscher rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz der Neugeborenen treffen. Gemessen wird dazu der Hormonspiegel in Kot und Urinproben. “Das funktioniert bei jeder anderen Katzenart, aber die Luchse machen leider Probleme”, sagt Katarina Jewgenow, Reproduktionsbiologin am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung IZW. Bei Luchsdamen finde sich das während der Trächtigkeit vom Gelbkörper gebildete weibliche Sexualhormon Progesteron, das den Eisprung verhindere, auch nach der Geburt noch in Kot oder Urin. Ob das ein Hinweis auf ein unikales Verhütungsprinzip sei, quasi eine integrierte Antibabypille, oder ob man es mit Metaboliten anderer Steroide, wie Stresshormone zu tun habe, könne nur eine Ultraschalluntersuchung zeigen. So werde ersichtlich, ob tatsächlich ein Gelbkörper aktiv sei und das Tier somit nicht trächtig werden könne.
Foto: Ein Luchs wird per Ultraschall untersucht.
“Letztendlich wurden sogar alle Freilandtiere des Doñana Nationalparks eingefangen, um die gynäkologische Untersuchung vorzunehmen”, sagt Jewgenow; “dieser Vergleich der relevanten Parameter zwischen den frei lebenden Luchsen und den Tieren der Gefangenschaftszucht ist weltweit einzigartig.”
Trotz aller Probleme läuft die Erhaltungszucht nach Aussage der Forscher gut: Derzeit sollen 37 Tiere im Ex-situ-Programm leben, 6 Jungtiere wurden bereits geboren. Bis 2010 will man 60 Luchse in Gefangenschaft haben, 8 Tiere sollen jährlich in die freie Wildbahn entlassen werden. Auch Portugal plant, die in Andalusien gezüchteten Luchse auszuwildern.
Um die Tiere dauerhaft vor dem Aussterben zu bewahren, muss allerdings auch ihr natürlicher Lebensraum geschützt bzw. wiederhergestellt werden. Einen kleinen Beitrag dazu könne jeder ohne viel Aufwand leisten, sagt Jewgenow, denn es seien vor allem die landwirtschaftlichen Flächen, die den Luchsen den Platz zum Leben nähmen. “Essen Sie keine spanischen Erdbeeren”, so Jewgenow, “das wäre ein Anfang.”
Quelle und Fotos: Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung IZW
Mehr Infos:
IZW
Infos zum Iberischen Luchs bei Wikipedia


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